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Brauchtum

Frau Percht

Der Tiroler Volkskundler Hans Hais hat in seinem überaus aufschlussreichen Buch Mythos und Kult in den Alpen Dutzende von bislang unbekannten Kultstätten und Opferplätzen mit Steinkreis und heiligen Quellen, mit heidnischen Wallfahrten zur Mutter Erde und Rutschsteinen zur Fruchtbarkeit aufgespürt. Ein besonders lesenswertes Kapitel darin heißt denn auch "Als Gott eine Frau war" ...

Dass der Urgott auch im Alpenraum eine Göttin war, ist inzwischen ebenso hinlänglich gesichert. Noch heute werden, zuletzt in Niederbayern, bei archäologischen Grabungen kleine, dralle Figurinen entdeckt – keine Ebenbilder von Germanenfrauen sind das, sondern von Göttinen.

Die Münchner Ethnologin Luisa Francia schlägt hier eine Brücke vom Alpenraum bis weit in den Kaukasus: Die Frau Percht und die Babuschka, das sind im europäischen Raum, die beiden einzigen Begriffe, die heute noch auf weibliche Gottheiten zurückweisen. Und wer großes Glück hat, stößt in abseits gelegenen Bergbauernhöfen noch auf einen Herrgottswinkel, in dem unter dem Gekreuzigten eine mordsdicke Puppe aus Stroh oder Holz steht. Oft auch als Kinderspielzeug verwendet, erinnert sie dennoch an weibliche Gottheiten – schaut sie doch ähnlich wie kleine Statuetten afrikanischer Göttinen aus, nur nicht aus schwarzem Ebenholz, sondern hellem Weidenstamm. Nicht zuletzt ist die Urgöttin auch im Märchen verewigt, dort heißt sie Frau Holle.

Sie zählt zu den Lichtgestalten, die in der Zeit, da die Tage kürzer werden und die Nächte schrecklich lang, Zuversicht und Geborgenheit vermitteln soll. Die Perchta dagegen ist doppeldeutig, sowohl Sinnbild der Sünde, als auch der Sühne. Diese wechselnde Symbolik, hier die Frau Percht als die Böse, dort als die Gute, hat sich bis heute erhalten. In manchen Orten in Österreich, Bayern und der Schweiz geht in der dunklen Zeit die Schiachpercht um, in anderen wiederum die Schönpercht. Finster, wild und zottelig die eine, hell und lieblich anzusehen die andere.

Dass nun ausgerechnet die Frau Percht gar nicht heidnischen, sondern rein christlichen Ursprungs sein soll, ein Symbol der Sünde und eigentlich nur ein paar Jahrhunderte alt, wie dies eine jüngere Forschungsarbeit glauben machen will – das scheint beinah unhistorisch und arg am Volksglauben vorbei.