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Brauchtum

Passen

Die Kirchseeoner Perschten bestehen mehreren Gruppen (Passen):

  • Frau Percht
  • Haberngoaß
  • Schönperchten
  • Klaubauf
  • Holzmandl
  • Schlenzer

Die einzelnen Passen haben unterschiedliche Aufgaben. Die Schönperchten übernehmen die musikalische Begleitung des Laufs und der Tänze (Trommeln, Glockenspiel). Die Klaubauf und die Holzmandl tanzen und die Schlenzer mischen sich unter die Zuschauer um diese zu erschrecken und ein wenig zu tratzen (ärgern).

Frau Percht

Eine herausragende Stellung genießt die Figur der Frau Percht, die die Ur-Göttin Perchta verkörpert. Sie ist besonders auffällig durch ihr Doppelgesicht (Doppelmaske / Januskopf). Vorne grinst einem der Teufel entgegen und auf der Rückseite strahlt ein Sonnengesicht seine Schönheit aus. Die beiden Hälften stehen für sämtliche Gegensätze im Leben, wie z. B. Tag und Nacht, Mann und Frau usw.. Ihre zwei Gesichter verweisen mit dem nach vorne gerichteten Blick auf das kommende und mit dem rückwärts gewandten Blick auf das vergehende Jahr. Ihre dunkle Seite ist auch unter dem Namen "Luz" bekannt. Bei den Tänzen der Klaubauf bildet sie den Mittelpunkt des Tanzkreises.

Haberngoaß

Die Haberngoaß ist eine andere Darstellung der Frau Percht. Die Deutung dieses Namens verweist auf eine Zweigeschlechtlichkeit. Zum einen findet sich hier der Begriff "Haberl" (Hoden des Stiers) für die männliche Seite, zum anderen das Wort "Goaß" (Geiß/Ziege) für die weibliche Seite. Die Masken der Haberngoaßn haben eine große Ähnlichkeit mit denen der Klaubauf und sind mit über fünf Kilogramm unsere schwersten Masken. Die Aufgabe der Haberngoaß besteht darin, in ihren großen, beweglichen Mäulern, Gaben (Geld) zu sammeln.

Schönperchten

Eine besondere Eigenheit, wie sie kaum woanders zu sehen ist, stellen unsere Schönperchten dar, die die musikalische Begleitung der Tänze übernommen haben. Mit Trommeln, Teufelsgeige und Glockenspiel (ein auf Lafetten gezogener Glockebaum, auf dem gestimmte Kuhglocken hängen) machen sie viel Lärm. Sie versinnbildlichen vor allem das Licht, den Tag, das Werdende, das neue Jahr, die Ordnung. Die Gestaltung der Masken orientiert sich am menschlichem Antlitz; hinzu kommt jeweils ein helmartiger Aufsatz, verziert mit verschiedensten Ornamenten, z. B. aus der Musik (Harfe, Notenschlüssel), Heraldik (Wappen), Tierwelt (Muscheln und Schnecken als Fruchtbarkeitssymbole) und Abwehrzeichen (Pentagramm, Hexagramm und Spiegel). Sie tragen prunkvolle Gewänder im alten Landsknechtstil.

Klaubauf

Die Klaubauf treten in einer bunten Palette von Figuren und Formen in Erscheinung. Sie tanzen verschiedene Stampftänze zur Melodie der Glockenspiele. In der Kreismitte steht immer die Frau Percht. Die Anregungen für die Masken fanden wir bei früheren Maskentypen, die wir in den heutigen Zeitgeschmack umsetzten, wobei wir aber deren Sinn zu erhalten bedacht waren. Dazu eigneten sich Masken der alten Volksschauspiele mit Sagengestalten usw. Dabei fanden wir so manche Zusammenhänge von Symbolen und mystischen Merkmalen, die unsere Arbeit stark beeinflussten.

Bei genauerem Hinschauen sind so manche Masken in Verbindung mit den vier Elementen, Jahreszeiten aber auch der Temperamente zu sehen. Vogelgesichter mit großen Schnäbeln findet man überall. Fischähnliche oder krötenartige Köpfe sind auch nicht selten zu entdecken. Teufel, Drachen, Feuervogel und wie sie sonst noch ausschauen, sind auch leicht ihrem Element Feuer zuzuordnen. Stierköpfige, Widder-, oder Saularven kann man der Erde zurechnen. Auch die Namen Werwolf, Wassermo, Muhackl, Wuidmandl und wie sie sonst noch genannt werden, lässt manche Eigenart erkennen. Heimatfremde Maskenmotive, wie z.B. Elefanten, sind hier aber nicht zu finden. Gewandet sind die Klaubauf in Woll-, Leder und Fellgewänder.

Bei ihren Tänzen bilden die Klaubauf einen Kreis um die Frau Percht und stampfen fest auf die Erde. Hiermit sollen die schlafenden Erdgeister wieder geweckt und damit Fruchtbarkeit für das neue Jahr beschworen werden. Mit ihren wilden Drehungen symbolisieren die Klaubauf, dass es nun wieder aufwärts geht, das Licht zurückkehrt und sich der Jahreskreis von Neuem zu drehen beginnt. Der Kreis als Form symbolisiert den Jahres- und Lebenskreislauf, der nie endet oder beginnt, aber auch die Gemeinschaft all derer, die am Tanz teilnehmen.

Holzmandl

Bei den Holzmandln handelt es sich um „Waldgeister“, deren Maskenmotive der Natur entlehnt sind. So finden sich in ihnen Darstellungen von Tieren, Pilzen, Farnen, Wurzeln und Zapfen, also allem, was der Wald zu bieten hat. Die Nase ist beispielsweise ein Tannenzapfen, das Ohr ein Farnblatt und der Kopfschmuck die verlorene Feder eines Waldvogels. Ein Schneckenhaus dient als Warze und ein Hut ist einer Pilzkappe nachempfunden – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Eine Besonderheit stellt das "Löwenmaul" dar. Dieses erinnert zwar eher an einen Totenschädel mit überlanger Nase, ist jedoch nichts anderes als die vergrößerte Darstellung einer Samenkapsel der Löwenmaul genannten Blume. Sie ist als einzige Kirchseeoner Maske nicht aus Lindenholz, sondern aus Nussbaum gefertigt. Die Holzmandl legen mit Haselnussstecken im Tanz, begleitet von Sprechgesängen, den Drudenhax (Pentagramm). Am Lauf nehmen ca. 7-10 Holzmandl teil.

Schnadernschlenzer „Die Riesen von Kirchseeon“

Unsere "Schlenzer" zählen zur Gattung der Stabmasken und muten wie überdimensionale Handpuppen an, die den Träger mit der Puppe gänzlich verschmelzen lassen. Eine Verwandschaft zum Klaubauf, insbesondere zur Haberngoaß und den Schnabelperchten, lässt sich nicht ganz verleugnen. Ihr bewegliches übergroßes Maul, mit reichlich Zähnen ausgestattet, kann vom Träger durch eine einfache mechanische Vorrichtung zum "Schnattern" gebracht werden. Gerne treiben sie ihren Schabernack, indem sie ihren Schlund mit Schnee füllen und ihn den Leuten, bevorzugt weiblichen Personen, in den Nacken fallen lassen. Dies ist die Letzte in den 50 Jahren entstandene Passe. Weil aber, wie bereits angeführt, der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind, werden auch in Zukunft weitere Passen entstehen und den Perschtenlauf in Kirchseeon in seiner Vielfalt bereichern.